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Peter Lauer : CH
Tinnitus und Wirbelsäulen - Erfahrungsbericht

Derzeit bin ich 62 Jahre alt, der Tinnitus begann im Herbst 1997: ca. 8kHz zunächst, wechselnde Lautstärke, abwechselnd auf dem rechten oder auf dem linken Ohr oder auf beiden gleichzeitig.

Besonders schlimm war es nachts, ich konnte kaum mehr schlafen und wurde gelegentlich durch unglaublich laute Geräusche aufge- schreckt.

Die üblichen Infusionen zur Verbesserung der Durchblutung, danach 2 verschiedene Medikamente zum Einnehmen mit gleicher Ziel- setzung brachten eigentlich nichts. 
- Auf die richtige Spur kam ich durch eine kräftige, "durchblutungs
- fördernde" Massage des Rückens. Es verschlimmerten sich die Ohr- geräusche dadurch außerordentlich. Erst ca. 2Wochen später er- reichten sie wieder ihre ursprüngliche "Qualität".

Ich suchte darauf hin meinen Orthopäden auf, bei dem ich wegen Schmerzen in den Hüftgelenken in Behandlung war. Ein Röntgenbild der Halswirbelsäule wurde angefertigt: Die Halswirbel erwiesen sich als einseitig verkantet.

Ich durchlief daraufhin eine ambulante Reha mit 20 Einheiten so- wie eine Verlängerung mit 10 Einheiten ( zusätzlich vorher und nachher zahlreiche Einzelbehandlungen Krankengymnastik und Massage. Inzwischen waren auch Probleme mit der Lendenwirbel- säule offenkundig geworden. ) Das Ergebnis: Nur kurzzeitige Erleichterung bei den Ohrgeräuschen, obwohl teilweise hervor- ragende Manualtherapeuten an meiner Halswirbelsäule arbeiteten. Ein im Reha Zentrum beschäftigter Orthopäde meinte zwar, dass Ohrgeräusche ihren Ausgangspunkt nicht nur in der Halswirbel- säule sondern auch an einer tiefer liegenden Stelle der Wirbel- säule haben könnten. 

Dieser Gedanke wurde jedoch nicht weiterverfolgt; obwohl Mas- sagen des Rückens die Ohrgeräusche verschlimmern konnten, wobei diese Verschlim
merung nicht sofort auftrat, sondern mit einer Verzögerung von einigen Stunden oder auch erst am nächsten Tag.

Etwa ein Jahr nach Beginn der Ohrgeräusche hatte ich das große Glück in eine Praxis zu geraten, in der außer der üblichen Massage und Krankengymnastik u.a. auch Breuss - Massage - die ich sehr gut vertragen habe
- Shiatzu und Dorn-Therapie angeboten wurden.

Mein damaliger Therapeut bestand darauf, nicht nur Halswirbel- säule oder Lendenwirbelsäule allein zu behandeln sondern die ganze Wirbelsäule oder überhaupt nicht - was mir unter den gegebenen Umständen nur recht war.

Es konnte zunächst ein Beckenschiefstand von etlichen cm fest- gestellt und auch behoben werden. Ich nehme heute an, dass dieser Beckenschiefstand für die Verkantung der Halswirbel verant- wortlich ist und schon sehr lange bestand - evtl. seit Geburt.

Ein Knick (Kyphose) in der oberen Brustwirbelsäule und verscho- bene Wirbel in der Halswirbelsäule wurden mobilisierend be- handelt.

Die Mobilisation an der Halswirbelsäule hatte zur Folge, dass Sehstörungen (Blitzen am Rande des Gesichtsfeldes) verschwan- den und auch nach anschließender intensiver Halswirbelsäulen -Gymnastik sich eine sehr trockene Nasenschleimhaut wieder normalisierte.

Eine wesentliche Besserung der Ohrgeräusche ergab sich nicht.

Der Therapeut war daraufhin bereit, mit mir die Wirbelsäule nach der Ursache des Tinnitus abzusuchen.

Es wurden pro Sitzung 2bis 3 Wirbel nach einer Massagetechnik behandelt, die mir wegen besonders unguter Folgen in Erinnerung war. - Es zeigte sich reproduzierbar, dass um die Brustwirbel 8,9,10 eine solche Stelle vorlag. Eine Röntgenaufnahme der Brustwirbelsäule zeigte hier keine Auffälligkeiten abgesehen von einer leichten Skoliose. - Jedoch waren diese Wirbel blockiert. Ein Aufheben der Blockade ergab für 2 Tage einen Tinnitus freien Zustand. Danach war der Tinnitus wieder da und die Blockaden auch. Ein seitlicher Druck auf die Wirbelsäule mit dem Finger an dieser Stelle konnte ebenfalls den Tinnitus verschwinden lassen. Eine Kernspinuntersuchung ergab auch nur altersgemäß Arthrotische Wirbel in der Brustwirbelsäule.

Ansonsten waren nur Myogelosen dicht an der Brust-Wirbelsäule tastbar. Blockaden und Myogelosen traten um den 8. Brustwirbel immer wieder auf.

Meine Hausärztin hält Verschiebliche - Wirbel für die Ursache der Myogelosen. Eine Verschiebung war allerdings nie spürbar.

Da die erwähnte Drucktechnik dem Therapeuten aus Shiatzu bekannt ist, wurde dieser Teil der Brustwirbelsäule mit dieser Methode behandelt. Auf eine solche Behandlung hin setzten die Ohrgeräusche für 1-2 Tage aus , kamen dann wieder. Die Frequenz wurde tiefer, die Ohrgeräusche leiser im Laufe der Behandlung und auch die Blockaden ließen nach.

Allerdings muss immer noch sehr darauf geachtet werden, dass keine Anspannung aufkommt.

Die Myogelosen ließen sich außerdem auch durch eine Punktmassage nach Brauchle entfernen ( Druck und kreisende Bewegung), nicht hilfreich war die Binde -Gewebemassage.

Die Ohrgeräusche, die mit diesen Myogelosen in Zusammenhang standen waren außerordentlich quälend. Wenn zusätzlich eine leichte Anspannung hinzukam, erfüllten sie den ganzen Kopf mit einem Klirren, so dass keine vernünftige Tätigkeit mehr möglich war.

Bemerkenswert erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass diese behandelte Stelle in der Brustwirbelsäule, die weder unmit- telbar schmerzte ,noch einen Hinweis im Röntgenbild oder Kernspin bot, durch heftige Schmerzen auf einen Versuch mit der Dorn- Methode reagierte. Diese Schmerzreaktion war sofort da und wirkte nicht mit Verzögerung wie oben erwähnt.

Leider sind die Blockaden in der Wirbelsäule nicht ganz ver- schwunden, sondern bauen sich etwas weiter oberhalb der oben genannten Stelle auf. Auch Spannungen ergeben sich hier, die scheinbar quer über die Schulterblätter zu ziehen scheinen. Hier lässt sich, wenn auch selten, eine Verschiebung der Wirbel spüren. Allerdings sind diese Ohrgeräusche nun erträglicher und gelegen- tlich auch mit Medikamenten zur Entkrampfung zu beheben. Die genannten Erleichterungen betrafen nur den Tag. Nachts war die Situation weiterhin sehr schlecht.

Nachdem die klassischen Methoden keinen dauerhaften Erfolg ge- bracht hatten, wurde auch an der Halswirbelsäule ein Versuch mit der Dorn-Methode gestartet, aber wieder abgebrochen, da sich die Beschwerden verstärkten. Shiatzu wurde gut vertragen, die deut- lich verschobenen Wirbel wurden zurechtgedrückt, es ergab sich auch eine Erleichterung des nachts, aber auch hier hielt der Erfolg nicht an. Nach einem halben Jahr wurde nun eine Kombination aus Shiatzu und der Dorn-Methode an der Halswirbelsäule versucht. Die Erfolge scheinen nun dauerhafter, sodass nun auch der Schlaf ohne Medikamente bei leisen Ohrgeräuschen möglich ist. Allerdings ist jeden Morgen eine intensive Gymnastik nötig, um alles wieder einzurenken.

Ich experimentiere zum Schlafen viel mit Kissen, um die kritischen Stellen der Wirbelsäule optimal zu lagern, muss nachts beim Aufwachen viel Wasser trinken (sind wohl die Bandscheiben der Halswirbelsäule), nehme Medikamente zur Muskelentkrampfung.

Anspannung jeder Art, auch freudige, muss ich meiden.

Folgerungen:

1)Auch Probleme im Bereich der Brustwirbelsäule können zu Ohrgeräuschen führen. 
Es ist denkbar, dass es auch andere Ursachen als
verschiebliche Wirbel geben kann. Es scheint sinnvoll, wie nach Dorn praktiziert wird, die ganze Wirbelsäule zu untersuchen.

2)Die Dorn-Methode scheint eine sehr einfache Methode zu sein ,die es ermöglicht Problemstellen der Wirbelsäule zu finden, die u.U. anders nicht nachweisbar sind- wobei ich trotzdem der Ansicht bin, dass zuvor eine Röntgenaufnahme stattfinden sollte.

3)Verbesserungen der Ohrgeräusche, die aus der Wirbelsäule herrühren, können sehr viel Zeit beanspruchen. Auf jeden Fall erfordern sie eine intensive Mitarbeit des Patienten ,großes Durchhaltevermögen bei Rückschlägen, intensive Zusammenarbeit mit dem Therapeuten...ist es nicht sicher , ob in jedem Fall der gewünschte Erfolg möglich ist.

Bevor man nun selbst Shiatzu oder Dorn ausprobiert, wäre es ratsam, dies vorher mit dem Hausarzt bzw. Orthopäden zu be- sprechen (diesen evtl. diesen Bericht vorlegen).

Ich bin der klassischen Krankengymnastik gegenüber nicht so negativ eingestellt, wie man dies glauben möchte. Man muss sie zunächst ausprobieren, ob sie weiterhilft, zumal die Kostenüber- nahme bei Shiatzu und Dorn durch die Krankenkassen fraglich ist. Auch bin ich der Ansicht, dass man sich nur an einen ausge- bildeten Krankengymnasten wenden sollte, der diese genannten Zusatzausbildungen hat, da gerade die Halswirbelsäule sehr empfindlich ist.

Peter Lauer CH


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Stand: 20. März 2002